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LAGER

Zentrale Station vieler Flüchtlinge und Vertriebenen war das Lager, zu dessen allgemeinen und alltäglichen Problemen räumliche Enge, mangelnde hygienische Verhältnisse, Seuchengefahr und eine schwierige Versorgungslage gehörten. Baracken- und Wohnlager für die Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten prägten in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg ebenso das Bild wie die Zeltstädte des Roten Kreuzes für die geflüchteten Bosnier in den 1990er Jahren.

Dennoch gab es gravierende Unterschiede: Die Lager beispielsweise, in welche die so genannten Volksdeutschen im Rahmen der „Heim ins Reich“- Aktion der Nationalsozialisten 1939-1941 eingewiesen wurden, waren in der Regel gut organisiert; die Versorgung der Lagerinsassen war gesichert. Hingegen wurde bei den Lagern für deportierte Zwangsarbeiter oder in den jüdischen Ghettos bewusst auf jede humanitäre Ausstattung verzichtet.

Aus Mangel an geeigneten Unterkünften wurden nach Kriegsende ehemalige nationalsozialistische Konzentrations- und Arbeitslager für die zeitweise Unterbringung von Flüchtlingen, Vertriebenen, Ausgebombten, Kriegsgefangenen und anderen Displaced Persons genutzt.

Es ist die machtpolitische Verfügungsgewalt über das Individuum, die das „nackte Leben“ des Einzelnen – sowohl in totalitären als auch in demokratischen Systemen – in einer Lagersituation so dramatisch hervortreten lässt. Davon zeugen auf der einen Seite Verwaltungsakten, Nummerierungen und Platzanweisungen. Auf der anderen Seite künden persönliche Artefakte – häufig in äußerster Not fabriziert – vom individuellen Kampf darum, mehr als nur das „nackte Leben“ aus dem Lager davonzutragen.