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HEIMAT

Heimat kann ein konkreter Ort sein, genauso ein Nicht-Ort, d. h. Erinnerung an Orte und Landschaften oder die Sehnsucht nach diesen. Wenn man den Ort, die Erinnerung oder die Sehnsucht verliert, fehlt ein wesentlicher Bezugspunkt im Lebensentwurf. Positive Gefühlswerte definieren den Heimatbegriff. Geprägt in der Dichtung des 19. Jahrhunderts, meinte „Heimat“ einen romantischen, idealisierten Gegenentwurf zum modernen Leben, welches durch Industrialisierung und „Entfremdung“ gekennzeichnet war. Im Zusammenhang mit Flucht und Vertreibung umfasst die Erinnerung an die Heimat nicht nur die Landschaft und den Besitz, sondern auch die kulturellen und gesellschaftlichen Aktivitäten sowie die lokale Religionsgemeinschaft. In der Belletristik und in der so genannten Heimatdichtung wird auch die Sprache zum Ort der Heimat. Die Zerstörung der ländlichen Güter und der Stadtzentren durch militärische Auseinandersetzungen, die Beschlagnahmung des Besitzes und die Unmöglichkeit der Rückkehr ließen bei den Betroffenen eine existentielle Verlusterfahrung entstehen. Diese Verlusterfahrung trug stark zur Idealisierung des Verlorenen bei und beförderte das Phänomen des Heimwehs. Der Verlust der Heimat ist der schmerzliche Ausgangspunkt für eine Erinnerungskultur, die sich in verschiedensten Artefakten spiegelt. In den Dingen manifestieren sich die Geschichten, die für die meisten Vertriebenen Heimat bedeuten.