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ERZWUNGENE WEGE

Zumeist nur mit dem nötigsten Hab und Gut beladen zogen Vertriebene und Flüchtlinge über die Straßen. Nutz- und Lasttiere begleiteten die Menschen auf ihren strapaziösen, gefahrvollen Wegen. Der Treck wurde zum Inbegriff für Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts. Auch auf der Schiene und zu Wasser waren die Menschen unterwegs. Bilder von überfüllten Zügen und Schiffen sind zu Metaphern für Zwangsmigration und Flucht geworden. Der Transport der Habseligkeiten stellte viele vor erhebliche logistische Probleme. Man behalf sich mit Schlitten, Fuhrwerken, Handkarren, Kinderwagen und Fahrrädern, auf denen Koffer, Säcke und Bündel verstaut wurden. Vieles ging unterwegs verloren, war den Strapazen über Tage und Wochen nicht gewachsen oder wurde geplündert.

Zwangsmigrationen verliefen nicht alle gleich. Flüchtende verließen ihre Häuser Hals über Kopf; Deportierte durften nur soviel mitnehmen, wie sie tragen konnten; Umsiedler konnten größeres Gepäck organisiert einsammeln und transportieren lassen. Die von Deportation und „wilder“ Vertreibung Betroffenen sowie die vor Kriegshandlungen flüchtenden Menschen waren traumatisierenden Erfahrungen ausgesetzt. Zu der physischen Belastung durch Entkräftung, Hunger, Kälte oder Hitze kam die Angst um die Familie, die es zusammenzuhalten galt. Viele verloren auf dem langen Weg ihre Angehörigen, Nachbarn und Freunde durch die chaotischen Verhältnisse unterwegs, durch Angriffe und Überfälle oder durch Krankheit und Entkräftung. Frauen, Kinder und alte Menschen machten den Großteil der Massenfluchtbewegungen aus. Die Männer waren oft im Kriegsdienst, in der Gefangenschaft, im Lazarett, gefallen oder wurden gewaltsam von ihren Familien getrennt.



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