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Die Vertreibung der Deutschen aus den ehemaligen Ostgebieten
liegt über 60 Jahre zurück, die der Armenier gar 90 Jahre. Dennoch
sind sie im kollektiven Gedächtnis präsent und erfuhren in den letzten
15 Jahren, seit Beginn der Neuordnung Europas, zunehmende Beachtung in der
Öffentlichkeit. Die Möglichkeiten zu Dialog und Versöhnung
unter den Betroffenen und ihren Nachkommen wie auch zwischen den Staaten hängen
von den unterschiedlichen historischen Rahmenbedingungen und der gegenwärtigen
politischen Situation ab. In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Aufarbeitung
der NS-Vergangenheit seit dem Ende der 1960er Jahre zu einem die gesamte Gesellschaft
ergreifenden Thema und fand Eingang in die Jugendarbeit.
In der Charta der deutschen Heimatvertriebenen von 1950 bildete die Absage
an Rache und Vergeltung einen zentralen Punkt. Für Verständigung
und Versöhnung zwischen Deutschen und Polen haben sich seit den 1960er
Jahren insbesondere die Kirchen und die Aktion Sühnezeichen eingesetzt.
Wichtige Schritte markierten auch das Görlitzer Abkommen (DDR-Polen)
von 1950 und der Warschauer Vertrag (Bundesrepublik Deutschland- Polen) von
1970, mit denen die beteiligten Regierungen die auf der Potsdamer Konferenz
vereinbarte Westgrenze Polens bestätigten. Nach 1989 verstärkte
sich der Austausch zwischen den Ländern. In den zentral- und ostmitteleuropäischen
Staaten erhielten die Diskurse über Flucht und Vertreibung mit der EU-Osterweiterung
von 2004 neue Impulse. Im Jahr 2005 hat das Gedenken an das Kriegsende 1945
eine Vielzahl von Tagungen und Diskussionen hervorgebracht. Höhepunkt
der gemeinsamen Aktivitäten war das von den Regierungen beider Länder
getragene Deutsch-Polnische Jahr 2005/2006. Nicht zu unterschätzen für
Versöhnung und Dialog sind private Initiativen und Begegnungen.