Zypern hat viele Besatzer kommen und gehen sehen. Von 1570 bis 1878 gehörte die Insel zum Osmanischen Reich, danach stand sie unter britischer Herrschaft. Schon vor und verstärkt nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ruf der griechischen Zyprer nach der „Enosis“ laut. Großbritannien ignorierte diese Forderung jedoch wegen der strategisch bedeutenden Lage der Insel. 1955 begann eine griechisch-zyprische Guerilla (EOKA) mit bewaffneten Übergriffen, die sich zunächst gegen die britische Kolonialherrschaft richteten. Türkische Nationalisten bildeten eine eigene Kampftruppe, die sich gegen die Aktivitäten der EOKA richtete; der Konflikt zwischen beiden Bevölkerungsgruppen eskalierte. Viele türkische Zyprer schlossen sich der Forderung der Türkei nach einer Teilung der Insel an. Die Unabhängigkeit Zyperns 1960 war ein Kompromiss, ausgehandelt von Großbritannien, Griechenland und der Türkei. Die Verfassung bemühte sich um die Wahrung der Rechte beider Bevölkerungsgruppen, institutionalisierte aber die Trennung zwischen griechischen und türkischen Zyprern. Sie gewährte zudem der zahlenmäßig deutlich kleineren Bevölkerungsgruppe der türkischen Zyprer einen überproportionalen Einfluss auf Entscheidungen. Als 1963 die Verfassung geändert werden sollte, brach ein Bürgerkrieg aus, den erst eine UN-Friedenstruppe beendete.