Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 plante das NS-Regime, die deutsche Siedlungsgrenze noch weiter nach Osten hinauszuschieben. Auch das bislang polnische Generalgouvernement sollte germanisiert, die Polen von dort vertrieben werden. Als Versuchsfeld für den von den Planungsfachleuten der SS unter Leitung des Agrar- und Raumwissenschaftlers Konrad Meyer ausgearbeiteten „Generalplan Ost“ diente der landwirtschaftlich ertragreiche Musterbezirk Zamosc südlich von Lublin. Nach der Ermordung der dortigen Juden erfolgte die Vertreibung von etwa 110.000 Polen von ihren Höfen. Sie wurden entweder zur Zwangsarbeit nach Deutschland geschickt oder in das KZ Auschwitz deportiert. Alte Menschen wurden von ihren arbeitsfähigen Verwandten getrennt und in „Rentendörfer“ abgeschoben, wo sie der Hungertod erwartete. An Stelle der Vertriebenen wurden deutsche Bauern aus Bessarabien und anderen Teilen Rumäniens angesiedelt, darunter auch die Eltern von Bundespräsident Köhler. Die Aktion musste im Sommer 1943 abgebrochen werden, da die deutschen Siedler zunehmenden Angriffen des polnischen Untergrunds ausgesetzt waren. Im Frühjahr 1944 wurden Frauen und Kinder, im Juli 1944 wurden die Männer im Landkreis vor der Roten Armee evakuiert.