Am 16.8.1945 unterzeichneten die Führungen Polens
und der UdSSR einen Grenzvertrag, der die Westverschiebung Polens und den
gegenseitigen Bevölkerungsaustausch regelte. Bis Ende 1948 verloren 1.200.000
Polen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten ihre Heimat. Mit dem Propagandabegriff
„Repatriierung“ versuchte die polnische Regierung zu vertuschen,
dass die Polen in den von Stalin annektierten Gebiete zwangsausgesiedelt wurden.
Viele dieser Menschen fanden in Pommern, Schlesien und im südlichen Ostpreußen
ein neues Zuhause. Bis Mitte 1946 wurden etwa 482.000 Ukrainer aus Polen in
die Ukraine abgeschoben. Für manche ging die Reise unmittelbar weiter
nach Sibirien. Angesichts der Befürchtungen über die Verhältnisse
in der stalinistischen Sowjetunion sträubten sich viele, Polen zu verlassen.
Daher wies Moskau die Warschauer Führung an, die verbliebenen Ukrainer
in entlegene Landesteile zu zerstreuen. Im Sommer 1947 wurden in der „Aktion
Weichsel“ 140.575 Ukrainer in die Oder-Neiße-Gebiete gebracht
und dort verstreut angesiedelt – oft nur eine Familie pro Dorf. Ihre
früheren Höfe wurden enteignet, Familiennamen polonisiert, der Gebrauch
der ukrainischen Sprache und die Ausübung des griechisch-katholischen
Gottesdienstes untersagt.
Gemeinsamer Text zu den Bildern:
Zdzislaw Patrylak (1928-1999) wurde als Ukrainer
im April 1946 mit seinen Eltern aus Polen in die Ukrainische Sowjetrepublik
zwangsumgesiedelt. Er stammte aus dem Dorf Nagórzany im Gebiet Sanok.
In dem Dorf lebten vor der Umsiedlung 70 polnische und sechs ukrainische Familien.
Im Juni 1946 traf die Familie in der neuen Heimat ein, dem Dorf Hayi-Rostotski
im Gebiet Ternopil. Dort bekam sie das Haus eines Polen, der 1944 von Ukrainern
umgebracht worden war. In der Ukraine ließ sich Zdzislaw Patrylak mit
seinem zweiten Vornamen „Michal“ rufen, weil es „Zdzislaw“
im Ukrainischen nicht gibt.