Ursachen für Flucht und Vertreibung der italienischen
Bevölkerung waren vor allem die „ethnischen Säuberungen“,
die alliierte Bombardierung von Zara/Zadar, die Ablehnung der neuen Machthaber
und die unsicheren ökonomischen Verhältnisse. Jugoslawien hat nie
ein Vertreibungsdekret erlassen, dennoch war die Vertreibung ein langer, kontinuierlicher
Leidensweg zwischen 1943 und 1955. Nach der Aufgabe von Zara/Zadar 1944 gipfelte
die erste Phase 1947 in der Vertreibung aus Fiume/Rijeka und Pola/Pula, nachdem
die Städte und zwei Drittel von Istrien auf Grund des Pariser Friedensvertrages
an Jugoslawien fielen.
Der zweite Massenexodus fand nach dem Londoner Abkommen von 1954 statt, welches
den Rest von Istrien (die so genannte „B-Zone“) Jugoslawien zusprach.
Triest und sein Umland (die „A-Zone“), bislang unter alliierter
Verwaltung, fiel zurück an Italien. Das Abkommen von Osimo zwischen Italien
und Jugoslawien 1975 bestätigte diese Aufteilung. Die Italiener durften
nur wenig Gepäck und Geld mitnehmen, der Besitz musste aufgegeben werden.
Die Ausreise erfolgte z. T. insgeheim auf dem Land- oder Seewege, mit Küstenbooten
und Fischkuttern, im Falle von Pola/Pula mit italienischen Passagierdampfern.
Selbst Ruderboote überquerten die Adria. Die Flüchtlinge gehörten
zu allen Klassen, darunter drei Bischöfe mit ihren Geistlichen sowie
Mönche und Nonnen. Insgesamt waren es wohl bis zu 300.000, von denen
240.000 nach Italien, der Rest in alle Welt emigriert ist. Nur wenige Italinner
blieben in Jugoslawien. Sie waren nicht reisefähig oder sympathisierten
mit dem Regime von Tito.