Nach dem Kriegseintritt des Osmanischen Reiches im Oktober 1914 an der Seite Deutschlands und Österreich-Ungarns verschlechterte sich die Situation der Armenier erheblich. Ihnen wurden die schweren militärischen Rückschläge der türkischen Armee an der Kaukasus-Front angelastet. Zwar kämpften armenische Freischärler unterschiedlicher Staatszugehörigkeit auf russischer Seite, doch stand die überwältigende Mehrheit der armenischen Soldaten osmanischer Staatsbürgerschaft loyal zur türkischen Armee. Dennoch wurden sie im Februar 1915 entwaffnet und in Arbeitsbataillonen zu Tode geschunden. Am 24.4.1915 wurden in Konstantinopel in einer breit angelegten Aktion armenische Akademiker, Künstler, Journalisten und Geschäftsleute verhaftet, ins Landesinnere deportiert, gefoltert und ermordet. Ab Mai 1915 erfolgten systematische Deportationen in die syrische Wüste, die bald auf Mittel- und Südostanatolien ausgeweitet wurden. Nach Abschluss der Verfolgungen in den östlichen Provinzen im Juli 1915 folgten ebensolche in Westanatolien und Thrakien. Während dieser offiziell als militärstrategisch notwendige Umsiedlungsmaßnahmen deklarierten Deportationen fanden unzählige Menschen durch Seuchen, Entkräftung und gezielte Massaker den Tod.