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EINFÜHRUNG


SCHICKSALE

ARMENIER 1915/16
GRIECHEN UND TÜRKEN 1922/23
JUDEN IN DEUTSCHLAND AB 1933
POLEN, UKRAINER UND DAS BALTIKUM
DIE DEUTSCHEN AM ENDE DES 2.WK
FINNISCHE KARELIER 1939/40-44
ITALIENER AM ENDE DES 2.WK
ZYPERN 1963/64 UND 1974/75
JUGOSLAWIEN IN DEN 90 JAHREN

THEMENRÄUME


AUSSTELLUNG IN BERLIN

Der Zerfall des Osmanischen Reiches

Das von den Türken beherrschte Osmanische Reich war ein Vielvölkerstaat. Es umfasste neben weiten Teilen Vorderasiens und Nordafrikas den Großteil der Balkanhalbinsel. Im 19. Jahrhundert setzte, bedingt durch imperiale Überdehnung sowie Reform- und Modernisierungsversäumnisse, ein schleichender Niedergang ein. Die Großmächte Russland, Österreich, Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland suchten die Schwäche des „kranken Manns am Bosporus“ auszunutzen. Sie verfolgten eigene territoriale und wirtschaftliche Interessen im Orient. Daher förderten sie die nationalen Unabhängigkeitsbestrebungen der Balkanvölker. Die Nationalstaatsideen dieser Völker richteten sich in erster Linie gegen die türkische Herrschaft, doch gingen sie auch auf Kosten der jeweiligen Nachbarn. Ob Griechen, Serben, Bulgaren, Rumänen oder Albaner, jede nationale Erweckung war mit einem territorialen Maximalprogramm verbunden. Bereits während der Orientkrise 1875-1878 kam es zu Vertreibungen. Vor allem Türken, etwa aus Bosnien, waren die Opfer. Die Zeit arbeitete gegen die Vielvölkerreiche und für das Selbstbestimmungsrecht der kleinen Völker. Die beiden Balkankriege 1912/13 führten zu einer weitgehenden Verdrängung der Osmanen aus Südosteuropa.
Türkische Intellektuelle entwickelten nun einen neuen Staatsgedanken: Fort vom altertümlichen Vielvölkerreich hin zum „modernen“, ethnisch homogenen türkischen Einheitsstaat. Die territoriale Stoßrichtung sollte vom verlorenen Balkan weg nach Osten verlagert werden. Kleinasien („Anatolien“) wurde zur türkischen Urheimat (anavatan) erklärt, von wo aus alle Turkvölker vereint werden sollten („Pantürkismus“). Aus Europa übernommene Rassegedanken spielten bei diesen geostrategischen Überlegungen eine Rolle. Während des Ersten Weltkrieges nahm diese Ideologie radikale Formen an. Nicht-Muslime wie Armenier und Griechen, aber auch kleinere ethno-religiöse Gruppen wie die aramäischsprachigen Assyrer wurden ihre Opfer.