Viele deutsche Diplomaten bezeugten in ihren Berichten an die deutsche Regierung die Todesmärsche und Massaker. Einige riefen zu Gegenmaßnahmen auf, andere zeigten Verständnis für die Deportationen. Für die Reichsregierung und die höhere deutsche Diplomatie besaß das Kriegsbündnis mit den Osmanen absoluten Vorrang vor humanitären Interventionen. Diese Haltung stand in der Kontinuität der deutschen Position zu den Massakern in den 1890er Jahren und wurde auch dann noch beibehalten, als die Vernichtungsabsicht der Deportationen immer deutlicher zutage trat. Zu jenen, die engagiert für eine Rettung der Armenier eintraten, gehörte der Mitbegründer der Deutschen Orient-Mission, der Theologe Johannes Lepsius, der sich seit 1896 für die Belange der Armenier eingesetzt hatte. Eine öffentliche Debatte, wie sie Lepsius anregte, suchte die Reichsregierung zu verhindern. Ungeklärt ist bis heute der Einfluss hochrangiger deutscher Offiziere in der osmanischen Heeresführung auf die Entscheidungen zur Deportation. In Einzelfällen wurden Deportationen zwar gestoppt, in anderen leiteten deutsche Offiziere lokale Militäraktionen gegen die armenische Bevölkerung von Sejtun, Urfa oder dem Musa Dagh, die sich der Deportation zu widersetzen versuchte.