Die Emanzipation der Nicht-Muslime stieß innenpolitisch auf Widerstand. Nach der Kriegsniederlage im Russisch-Türkischen Krieg war das Osmanische Reich beim Friedensschluss zu Berlin (1878) verpflichtet worden, in den „armenischen Provinzen“ Verwaltungsreformen durchzuführen und den Schutz von Leib und Leben der armenischen Bevölkerung zu garantieren. Diese „armenischen Reformen“ wurden allerdings bis 1913 verschleppt, machten aber gleichwohl die Armenier als Anlass dieser europäischen Intervention im Osmanischen Reich verhasst. Abdülhamit II., der den Zerfall des Reiches mittels einer despotischen Politik zu verhindern suchte, hatte bereits 1878 das Parlament aufgelöst. Auf die Massaker der Jahre 1894-1896 reagierte das Deutsche Reich ausweichend; es setzte auf die Stabilisierung des Osmanischen Reiches als Gegengewicht zu Russland. Die Rückschrittlichkeit des Sultanats rief eine inner-türkische Opposition auf den Plan. Diese „jungtürkische“ Bewegung wollte durch Reformen und Modernisierung des Staatswesens den drohenden Zerfall abwenden. Ihre Machtübernahme 1908 wurde von den meisten Armeniern begrüßt. Doch schon im April 1909 kam es in der Provinz Adana (Kilikien) zu erneuten Armeniermassakern mit 20.000-30.000 Opfern.