Der Griechisch-Türkische Krieg 1919-1922 hatte weitreichende
Folgen für die politisch-demographische Neuordnung in Griechenland und
in der jungen Republik Türkei. Der ersten Flüchtlingswelle, welche
die Kapitulation der Griechen im September 1922 im unmittelbaren Kriegsgeschehen
begleitete, folgte von 1923 bis 1926 der nahezu vollständige Exodus der
verbliebenen griechisch-orthodoxen Bevölkerung aus Kleinasien.
Die Friedensverhandlungen der Alliierten mit der Türkei führten
im Juli 1923 zum Lausanner Vertrag, der u. a. Gebietsregelungen und eine Konvention
beinhaltete, die den Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und
der Türkei regeln sollte. Damit wurden die gegenseitigen Vertreibungen
nachträglich legitimiert. Es wurden gemischte Kommissionen zur Beaufsichtigung
des Austauschs einberufen. Nach Schätzungen des Völkerbundes waren
insgesamt etwa 1.200.000 anatolische Griechen und etwa 356.000 griechische
Muslime betroffen. Der Lausanner Vertrag setzte einen Schlusspunkt unter die
ethnisch und religiös motivierten Vertreibungen und legitimierte das
Streben der türkischen Nationalisten nach einer Homogenisierung der Bevölkerung
in Anatolien.