Schon im 18. Jahrhundert entstand die Idee eines Groß-Griechenland, in dem nach antikem Vorbild die griechischen Siedlungsgebiete in Thrakien, Kleinasien und auf den Inseln in einem Nationalstaat vereint sein würden. Aufschwung erhielt diese Idee am Anfang des 20. Jahrhunderts durch den griechischen Regierungschef Elefthérios Venizelos, der nach den Eroberungen in den Balkankriegen 1912/13 Kleinasien angliedern wollte. Forciert wurden die Ansprüche Venizelos’ durch den Sieg der Entente-Mächte im Ersten Weltkrieg, die im Vertrag von Sèvres 1920 weitgehende Gebietsaufteilungen Kleinasiens vornahmen. Im Auftrag der Alliierten besetzte die griechische Armee im Mai 1919 Smyrna und drang von dort weit ins anatolische Festland vor. Sie sicherte ihre Eroberungen durch Niederbrennen und Plündern der türkischen Dörfer. Sie stieß hier auf die militärische Gegenwehr der neuen türkischen Nationalbewegung unter General Mustafa Kemal, von denen die griechischen Verbände 1922 aus Kleinasien zurückgedrängt wurden. Dem militärischen Rückzug der Griechen folgte die Flucht großer Teile der christlichen Bevölkerung aus Kleinasien.